Page 11 - Kinder dieser Erde
P. 11

…«, die alte Dame unterbricht kurz, ehe sie geheimnisvoll flüstert: »Manchmal kann ich sie
               auch sehen. Besonders dann, wenn der Frühling naht. Da kannst du sie in ihren zarten

               Kleidchen über die Wiesen fliegen sehen.«
               Solche Geschichten liebt Smilla, seit sie in der Lage ist, zusammenhängende Worte nicht
               nur  zu  hören,  sondern  sie  auch  zu  verstehen.  Ebenso  kann  sie  stundenlang  vor  dem
               Elfenhäuschen auf dem weichen Gras liegen, um zu beobachten, ob sich vielleicht die Tür
               oder eines der Fensterchen öffnet.
               Seit ihrem zehnten Geburtstag ist Smilla auch stolze Besitzerin eines Islandpferdes. Jeden

               Tag striegelt sie das braune Fell und bürstet die Mähne. Und wann immer es möglich ist,
               reitet  das  Mädchen  aus.  Hinaus  in  die  Natur,  über  moosbedeckte  Wege  und  zwischen
               seltsam anmutenden Felsen, welche die Grenze zum Wald markieren.


               Genau hier, an diesem einen Felsen, der mit schlingendem Grün überwuchert ist, geschah
               es. Smilla ritt wie immer am Waldsaum entlang und freute sich, Gesellschaft von weiteren
               Pferden aus dem Gestüt zu haben. Achtsam beobachtete sie alles, was sich bewegte …
               aber  auch  alles,  was  sich  scheinbar  nicht  vom  Fleck  rührte.  Da  war  dieses  hellbraune

               Etwas am Fuße des kleinen Felsens. War es bis vor Sekunden noch so, als würde dort ein
                                                            11
   6   7   8   9   10   11   12   13   14   15   16