Der Mörder war Sokrates – Über Täter und Opfer der Finanzkrise(n)

0

Hubert Michelis: Der Mörder war Sokrates - Über Täter und Opfer der Finanzkrise(n)Autor: Hubert Michelis
Format: Taschenbuch
Verlag: Verlag Mainz
Seitenanzahl: 202 Seiten
Auflage: 1 (Mai 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3810702265

Bestellen bei Amazon>>>

Klappentext:

Peter Stajewski hat die Berufung zur Philosophie schon immer in sich gespürt, sich aber dennoch für den gesicherten Job eines Bankangestellten entschieden. Nach drei Jahrzehnten im Finanzwesen, Weltwirtschaftskrise und menschenverachtendem Mobbing durch seinen Vorgesetzten fällt er eine folgenschwere aber wohlüberlegte Entscheidung: er tötet seinen Chef und geht dafür bereitwillig ins Gefängnis. Hier hat er endlich Zeit, über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nachzudenken.

Während seiner langen Haft entwickelt sich Stajewski immer mehr zu dem, der er eigentlich immer schon war: zu einem Philosophen, der aus seiner Sicht die Krisen seiner Zeit analysiert und mit seinen tiefgründigen Denkmethoden und Ansichten für andere im Gefängnis zur Bezugsperson wird. Auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit findet er immer mehr zu sich selbst, entwickelt sich zu einem Menschen, in dem andere einen „zweiten Sokrates“ erkennen.

„Der Mörder war Sokrates“ ist nicht nur eine spannend erzählte Geschichte zur Zeit der Finanz- und Wirtschaftskrise, sondern auch eine Philosophie über das Leben.

Über den Autor Hubert Michelis:

Hubert MichelisHubert Michelis wurde 1958 in Düren/Rhld. geboren. Sein Vater war Bergbauingenieur (Rheinbraun/RWE). Nach dem Abitur (1979) studierte er von 1979 bis 1984 an der Uni in Bonn Philosophie und Theologie, nebenher auch einige Semester Anglistik.

Er war Mönch (Franziskaner) und wurde 1985 nach den Studien der Philosophie und Theologie zum Priester geweiht. Nach zwei Jahren als Missionar (via Indien, wo er bei Mutter Theresa mitarbeitete), gelangte er über Hongkong nach Taiwan. Bald lernte er seine Frau kennen, so dass er den Orden verließ und einen Job bei Mc Donald’s (Restaurantleitung) fand, wo er über sechs Jahre arbeitete.

Seit 1989 ist er mit einer Taiwanesin verheiratet, drei erwachsene Kinder. Nach weiteren zwanzig Jahren als Bankangestellter (Handelsfinanzierungen) widmet er sich inzwischen ganz dem Schreiben. Nebenher ist er auch Maler (Landschaften). Seit 1990 lebt er mit seiner Familie in Langen bei Frankfurt am Main.

Der Mörder war Sokrates (Leseproben):

Inhalt

Einleitung

  1. Herbsttag in der Einzelzelle
  2. Das Opfer und sein Mörder
  3. Das Verhör
  4. Psychopath oder Mörder?
  5. Der Systemkritiker
  6. Der Schwarzmarkt
  7. Der Gefängnisdirektor
  8. Der Besuch
  9. Freistunde
  10. Gottesdienst
  11. Der Hausarbeiter
  12. Künstlerträume
  13. Begegnung

Statt eines Nachwortes: Gedanken zur Globalisierung

————————————–

Einleitung

Sokrates (römische Kopie eines griechischen Originals)Wer über den alten, friedliebenden und herzensguten – allerdings bis in die Zehenspitzen konsequenten – vorchristlichen Philosophen Sokrates ein wenig gehört oder gelesen hat, wird zunächst verwundert und vielleicht aucherschrocken sein über den anscheinend so widersprüchlich und befremdlich klingenden Titel dieser Erzählung. Soviel aber sei vorweggenommen: es erwartet Sie keine Kriminalgeschichte! Und doch wird von einem Mord und von einem realen (wenn auch vielleicht psychopathischen) Mörder die Rede sein, bei dem man allerdings im Laufe seiner lebenslänglichen Strafhaft mehr und mehr sokratische Wesens- und Charakterzüge zu erkennen meint.

Sokrates selbst war ein Weiser, der am Ende seines Lebens vom Magistrat Athens als Aufrührer und Verführer der Jugend und wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden war. Und er hat diesen Tod entschlossen – keinem anderen als Jesus selbst vergleichbar – wie ein Lamm, das vor seinen Schlächter geführt wird, auf sich genommen. Er war damit bereit, für die Wahrheit und Gerechtigkeit, die er in Wort und Leben erstrebt hatte, zu sterben. Sokrates war in seinem philosophischen Denken von dem Grundsatz des „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ ausgegangen.

Streng genommen war dies ein radikaler Zweifel (Agnostizismus), den er als positive Grundlage seines Denkens annehmen sollte, denn am Zweifel selbst lässt sich bekanntlich nicht mehr zweifeln! Auf diese Weise gelangte der alte Weise durch sein bohrendes Fragen und Denken und über sein »Erkenne dich selbst!« schließlich zur Anerkennung einer höheren, diese Welt übersteigenden (transzendenten) Wahrheit, die er beinahe zärtlich als das „To Theion“ (Das Göttliche) umarmen wird …

————————————–

Das Opfer und sein Mörder

Während der Nacht hatte er geträumt, und die Ereignisse der Vergangenheit waren in diesem Traum zutage gekommen, vor allem die Tat selbst und ihre Motive.  Als er wach wurde, dachte er weiter darüber nach.

Als Motiv, Schulze, den Bankmanager, erschossen zu haben, hatte er angegeben, dass dieser den Tod verdient hätte, denn der Tod sei die einzig gerechte Strafe für ihn gewesen. Stajewski war sich dessen bewusst, dasses manchmal für andere Menschen kaum möglich war, seinen seltsamen Gedankengängen zu folgen oder sich seiner Denkweise, die eine ungewöhnliche war, anzupassen. Er war sogar daran gewöhnt, dass selten ihn jemand wirklich verstand, denn er dachte anders, als die meisten Menschen gewöhnlich zu denken pflegen, galt doch für ihn, als wäre es ein unumstößliches Gesetz: keiner ist unschuldig, und jeder ist mitschuldig, an so vielem,  ja an allem! Denn sind wir nicht alle verantwortlich, unendlich verantwortlich und mitverantwortlich, für alles, alle und jeden?

Und diese Ansicht schien wie ein entsetzter, verzweifelter Schrei aus ihm herauszukommen. Aber auf solche Weise sah er das Leben an, und bisweilen litt erunter ihm. Ja, er litt heftig und stark unter seiner Last, aber mehr noch unter sich selbst und seiner mangelnden Mitverantwortlichkeit, derer er sich anklagte …

————————————–

Statt eines Nachwortes: Gedanken zur Globalisierung

Im Rahmen dieser Erzählung, einer Gefängnisgeschichte, in welche einige bedeutsame Ereignisse des noch jungen 21. Jahrhunderts mit hineinspielen: die US-amerikanische Schuldenkrise, die darauf folgende Weltwirtschaftskrise, welche angeblich die schlimmste seit der Depression der Zwanziger Jahre gewesen ist, und schließlich die europäische Staatsschuldenkrise, im Rahmen dieser Geschichte also wurden manche Fragen und Anfragen zur Globalisierung aufgeworfen. Aber was verstehen wir eigentlich unter „Globalisierung“ und wie ist dieses Phänomen wirklich zu verstehen?

Dass wir unter Globalisierung nicht alleine einen Vorrang der wirtschaftlichen Angelegenheiten zu verstehen haben, einen Primat der Ökonomie, wie es uns manche Medien gelegentlich zu suggerieren versuchen, dürfte sich dabei auf Anhieb herausstellen. Die Globalisierung, wie sie seit Beginn der 1990er Jahre, also insbesondere nach dem Zusammenbruch des europäischen Kommunismus und seit dem Ende des „Kalten Krieges“ verlaufen ist, kann und darf nicht einseitig als ausschließlich wirtschaftliche Entwicklung verstanden werden. Das wäre fatal! Denn würde sie allein als solche verstanden und vorangetrieben, dann kämen wir statt eines Fortschritts und weltweiten Wohlstands zu einer Wiedereinführung des ehemaligen Imperialismus und nationalistischen Kolonialismus des 19. Jahrhunderts quasi durch die Hintertür, eines Imperialismus, Nationalismus und Kolonialismus, der damals, zu jener Zeit, entscheidend zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges beigetragen hatte …

Buchempfehlung:

Gerade jetzt, 2020, zu Zeiten der Corona-Endemie erleben wir eine seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch nie da gewesenen Kumulation von Krisen. Seit einigen Wochen greift eine Endzeitstimmung um sich, wie sie den meisten Menschen in westlichen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften bisher nicht bekannt war. Das globale Finanz- und Wirtschaftssystem kränkelt in Wellen vor sich hin und spaltet die Welt zunehmend in Gewinner und Verlierer. Aus der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 hat man kaum Lehren gezogen. Die Ungleichverteilung hat sowohl zwischen den Regionen als auch zwischen den sozialen Schichten ein gefährliches und konfliktträchtiges Ausmaß erreicht.

Die Folgen zeichnen sich schon seit einigen Jahren ab: Flüchtlingsbewegungen, politische Polarisierung und Destabilisierung auch in westlichen Gesellschaften, Verteilungs- und Stellvertreterkriege der neoimperialistisch agierenden Großmächte in Schwellen- bzw. Entwicklungsländern, eine zunehmende Krise von Menschenrechten und Demokratie. Hinzu kommen Bedrohungen, wie die globale Erwärmung, die ihrerseits eine Folge eines systembedingten menschlichen Fehlverhaltens im Umgang mit Natur und Ressourcen ist.
Die geschwächten Fundamente eines gescheiterten Neoliberalismus werden nun auch (jetzt gerade!) von einer schweren Pandemie erschüttert, die diese Grundmauern und das Gebäude darüber nun endgültig zum Einsturz bringen könnte.

In seinem Roman „Der Mörder war Sokrates“ hat Hubert Michelis bereits vor einigen Jahren einige der wesentlichsten systemimmanenten Widersprüche und Gefahren thematisiert, die uns jetzt endgültig auf den Kopf zu fallen drohen. Das Buch ist eine ökonomisch, ökologisch, sozial und politisch begründeten Kritik der herrschenden Profitmaximierungsphilosophie, in Kombination mit Mobbing und ethischer Verwahrlosung. Und es ist ein berührendes Plädoyer für ein Vorantreiben der Globalisierung, aber unter völlig neuen, humanen und ethischen Vorzeichen!

Der Hauptdarsteller Peter Stajewski ermordet seinen Vorgesetzten, einen Banker, der ihn drangsaliert und zur Verzweiflung bringt. In seiner lebenslänglichen Haftstrafe sieht Stajewski die Chance, in Ruhe und von äußeren Einflüssen ungestört über die herrschenden Missstände nachzudenken und deren Gründe zu analysieren. Dabei entwickelt er philosophischen Fähigkeiten und wird zu einem Denker und Vordenker, der sich dabei auch auf die Suche nach den eigenen geistigen Wurzeln begibt und seine Mithäftlinge für seine Ideen gewinnen kann. 

Die Geschichte bietet Hubert Michelis einen idealen Rahmen, als Theologe, Philosoph und kritischer Autor seine eigene Sicht der Dinge darzulegen. Dabei bezieht er sich immer wieder auf bedeutende Denker unserer Geschichte und beweist ein profundes Wissen über die Fäulnisse unseres Finanzsystems. Das allerletzten Kapitel ist ein Essay, in dem Michelis mit den Irrwegen herrschender Denkweisen abrechnet – mit Geisteshaltungen, die uns Menschen nun fast schon an den Rand des Abgrunds gebracht haben.

[Martin Urbanek]

Share.

About Author

Leave A Reply

*

code

Secured By miniOrange