Auszeichnung für den Historiker und Buchautor Robert Streibel

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Wenn es um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit geht, kann er unbequem und beharrlich sein. Seit vielen Jahren hat sich Prof. Dr. Robert Streibel mit den „braunen Flecken“ seiner Heimatstadt Krems an der Donau auseinandergesetzt. Bei den Recherchen zu seinen Publikationen musste er in der Kleinstadt, die außerdem den Ruf einer „Nazi-Hochburg“ hatte, so manche Mauer des (Ver-)Schweigens, Verdrängens und Vergessens durchbrechen. Die Beharrlichkeit hat sich gelohnt. Neben zahlreichen Büchern und Beiträgen wurden auf initiative Streibls mehrere Projekte und Gedenkstätten im Raum Krems ins Leben gerufen. Nun verlieh ihm Bürgermeister Dr. Reinhard Resch die goldene Wappenplakette der Stadt Krems. Dr.in Monika Sommer, Leiterin des Hauses der Geschichte Österreich, hielt die Laudatio.

Robert Streibel bei seiner Ansprach im Rathaus von Stein

Robert Streibel bei seiner Ansprach im Rathaus von Stein.

Monika Sommer, Leiterin des Hauses der Geschichte Österreich.

Monika Sommer, Monika Sommer, Leiterin des Hauses der Geschichte Österreich.

Auszeichnung für Robert Streibl in Krems.

Stadtrat Günter Herz, Stadtrat Helmut Mayer, Stadträtin Sonja Hockauf-Bartaschek, Dr.in Monika Sommer, Prof. Mag. Dr. Robert Streibel, Bürgermeister Dr. Reinhard Resch, MSc, Vizebürgermeister Martin Sedelmaier (von links).

Medienberichte zur Auszeichnung von Robert Streibel im Steiner Rathaus:

Er, an seinem Ort:

Prof. Dr. Robert Streibel bei seiner Dankesrede

Prof. Dr. Robert Streibel bei seiner Dankesrede

Am 28. Jänner wurde Prof. Dr. Robert Streibel von der Stadtgemeinde Krems die „Wappenplakette 1463 in Gold“ verliehen. Einen Tag nach seinem Geburtstag am 27. Jänner, der seit einigen Jahren der Internationale Holocaust-Gedenktag und seit 1945 jener Tag ist, an dem die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz befreit hat.

Die Ehrung erfolgte nach dreißigjähriger Beschäftigung Robert Streibels mit Kremser Zeitgeschichte, angefangen von seiner Dissertation zur Geschichte von Krems 1938 – 1945 bis hin zu Klarstellungen des Erfinders des Wachauer Marillenlikörs“ 2022 (siehe Streibls Dankesrede).

Der Historiker Streibel wird dabei von einer prinzipienfesten antifaschistischen Grundhaltung, soliden wissenschaftlichen Ausbildung, literarischen Talenten in verschiedenen Genres und einem Kommunikationstalent angetrieben – ein Bündel, das selten zu finden ist. Es gelingt ihm in seiner Arbeit Regionalgeschichte mit der internationalen anschaulich zu verbinden (wie auch Monika Sommer in ihrer Laudatio festhält). Übersetzungen mehrerer seiner Bücher in andere Sprachen zeugen davon. Dabei gelingt es ihm, Zusammenhänge (auch) literarisch spannend zu erzählen und bei seinem Publikum Staunen, manchmal sogar Erschrecken zu erzeugen.

Seit den Anfängen seiner Arbeit ist er unbequem für die kleinen und großen Herrschenden auf vielen politischen Ebenen und für Institutionen. Ein leichter Hang zum Exzentrischen und zur Unangepasstheit mag dabei sogar hilfreich sein.

Peter Weiss, der Verfasser des vermutlich wichtigsten antifaschistischen Romans und der Geschichte der Arbeiter*innenbewegung des 20. Jahrhunderts, schreibt im dritten Band der „Ästhetik des Widerstands“: „Auch wenn ich glaubte, Einsicht zu haben in vieles, ist alles jetzt so ineinander verschlungen, dass ich nur winziger Fäden habhaft werden kann. Du, an deinem Ort, besitzt größeren Überblick, kannst vielleicht einmal, wenn dich meine Zeilen erreichen sollten, die Zusammenhänge deuten“.

In Abwandlung dieses Diktums: Er, an seinem Ort. Und das hoffentlich noch viele Jahre!

[Günther Stockinger]

Die Dankesrede von Prof. Dr. Robert Streibel im Steiner Rathaus:

Die Dankesrede zum Anhören (Sprecher Robert Streibel:

Über das richtige Etikettieren von Marmeladengläsern:

Dankesrede von Prof. Dr. Robert Streibel

Prof. Dr. Robert Streibel bei seiner Dankesrede mit Kremser Marillenlikör.

Mit unserer Sprache denken wir. Erst mit Sprache eignen wir uns die Wirklichkeit an, die Gegenwart wie die Vergangenheit. Wer das Glück hat die ersten Spracherfahrungen von Kindern miterleben zu können, der weiß, dass es Worte gibt, die ausprobiert werden ob ihrer Wirkung, Es gibt auch bei den ganz Kleinen ein untrügliches Gespür für Worte, die für Erstaunen oder Entsetzen sorgen und keiner in der Runde weiß dann, wo ER das Wort aufgeschnappt hat.

Ich habe mit Sprache denken gelernt. Nachdenken.

Ist Ihnen das schon einmal aufgefallen, das im Wort nach-denken, das damals steckt. Heißt das, erst danach denken, also zuerst sprechen und dann denken?

Ein Wort hat mich zum Nachdenken gebracht, wobei der Hinweis notwendig ist, dass Worte nicht nur gesprochen, sondern zuweilen auch inszeniert werden. Mein Wort war ein inszeniertes Wort.

Der war ein Jud.

Die Inszenierung sieht das Senken der Stimme und einen kurzen Blick über die Schulter vor, so stand es in der Regieanleitung des Alltags, Krems 70er Jahre, des vorigen Jahrhunderts.

So habe ich das in Erinnerung und dann habe ich irgendwann dann nach-gedacht. Warum ist das so und was hat das zu bedeuten. Ein fehlendes e und die restliche Inszenierung eingeschlossen, genügen, um das ganze Programm der Ausgrenzung zu skizzieren.

Die Wichtigkeit, die richtigen Wörter zu verwenden ist heute Gemeingut, sprechen hat zuweilen aber so auch etwas mit einem Gefahrentransporter zu tun. Sprachen bestimmt unser Denken. Und es ist auch im Alltag ganz wichtig im Lebensmittelschrank zum Beispiel die Marmeladegläser mit den richtigen Etiketten zu versehen. Aber die richtigen Etiketten garantieren noch nicht die Qualität des Inhalts.

Das ist bei der Marmelade nicht viel anders als bei unserer Sprache. Unsere Sprache aber verändert das Denken. Sprache zu ändern ist also der Schlüssel zur Veränderung. Wäre da nicht dieser Marmeladenglasbeweis.

Es ist wichtig daran zu erinnern, dass es Menschen gibt, die bereits ihren Job verloren haben, weil sie das falsche Wort verwendet haben das N-Wort, das I-Wort und das E-Wort. Doch das nur so nebenbei. Wer die Frauen beim Sprechen nicht vergisst, der garantiert damit jedoch noch nicht, dass endliche Chancengleichheit hergestellt ist und die Einkommensunterschiede Geschichte sind.

Es ist trotz allem, gleichgültig ob sie Marmelade wollen oder nicht, die richtigen Worte zu verwenden, trotz aller Einschränkungen auf die ich beharren möchte. Wer das e nicht weglässt, der garantiert damit noch nicht, dass der Antisemitismus endgültig verschwunden ist.

Josef Streibel Mein einem Wort hat es bei mir angefangen. Und so wie sich die Familie wundert wo der Kleine das Wort deppert gehört hat so habe ich mich vielleicht auch gewundert. Als Historiker hat man da mehr Chancen, der Sache auf den Grund zu gehen und so kenne ich in meinem Fall den Ursprung meines Wortes, mit dem alles begann.

In unserem Haus in der Schillerstraße hatten wir ein altes Ehepaar, ein reizendes Paar das hatte fast etwas von Philomen und Baucis. Meine Schwester und ich wir sind gefühlt jeden Nachmittag bei diesem Ehepaar gewesen, dort gab es Butterbrot und manchmal einen Apfel und Geschichten, die Bücher hatten eine goldene Schrift am Einband und waren so schwer als wären sie in Leder gebunden gewesen und manche Bücher hatten auch Bilder, da gab es kleine Negerkinder an einem Fluss und ein böses Krokodil das eines dieser geschnappt hat. Doch an den Nachmittagen waren wir nicht nur in Afrika in der Schillerstraße im 2. Stock, sondern auch in den Bergen, in den Alpen und da fiel immer wieder der Satz, dass es damals eine gute Zeit war, weil die Berge judenfrei waren. Meine Schwester und ich wussten was Krokodile waren, sie natürlich früher als ich, aber Juden. Also so hat alles begonnen.

Wir müssen festhalten, dass wir mit der richtigen Benennung die Welt nicht gänzlich verändern können, dass es aber wichtig ist vor dem Sprechen zu denken als dann nach-zudenken. Ich möchte ihnen jetzt ein Beispiel geben, wie fatal sich die falsche Bezeichnung auswirken kann.

Fast in jeder Ansprache einer Politikerin eines Politikers heißt es, wenn über die Zeit des Nationalsozialismus gesprochen wird, dass es sich um eine dunkle Zeit gehandelt hat. Es passiert sehr oft, dass nur von der dunklen Zeit gesprochen wird, so als hätte es zwischen 1938 und 1945 einen großen langen Stromausfall gegeben. Und was sagt uns diese Formulierung, das ist kein Versprecher, sondern ein großes Versprechen, so wollen wir das, wollen die, die so sprechen, eine dunkle Zeit.

In der Dunkelheit sehen wir bekanntlich nicht viel, oder besser gar nix. Also, wir sehen keine Täter und keine Opfer, niemand der weggeschaut hat und wir sehen keine Opportunisten. Denn im Dunklen sind alle Katzen grau. Und wenn es eine dunkle Zeit gibt, so kann es passieren, dass im Unterricht über diese Zeit gesprochen wird, aber wir als Schülerinnen und Schüler den Eindruck gewinnen mussten, das hat sich irgendwo abgespielt, irgendwo im Osten, aber nicht bei uns.

Da kann es passieren, dass ein Schüler dann einfach einmal den Weg in das Stadtarchiv antritt und dann alte Zeitungen verlangt und dann war es so als hätte der Blitz eingeschlagen im Haus Körnermarkt. Alles hat hier begonnen, mit der Land-Zeitung da wurden Namen genannte und manche kamen mir sehr bekannt vor.

Wir können keine Geschichte über dunkle Zeiten schreiben und wir können nur Geschichte schreiben, wenn wir Namen nennen. Diese Namen schmerzen, denn plötzlich bekommt das Leiden, die Gleichgültigkeit, der Fanatismus, der Mord und die Denunziation ein Gesicht und eine Adresse.

Die Sprache bestimmt unser Denken und die Grammatik bringt Ordnung in die Sprache. Auch da gibt es Tücken, bei der Grammatik nämlich. Denn Personalpronomen zu verwenden ist nicht immer angebracht. Wer kann schon meine Frau sagen, meine Tochter ohne dass hier nicht gleich Besitzansprüche mitschwingen. Und wer kann schon meine Stadt sagen oder mein Krems?

Mein lokales Personalpronomen hat sich erst langsam entwickeln müssen und hatte viele Umwege genommen, über das Links-liegen-lassen und Ignorieren, bin ich aus den Schubladen, die mir zugedacht waren gekrochen und habe mich meiner Stadt über Interviews, Geschichten und Erzählungen gewidmet, sodass sie meine wurde, irgendwie.

Als ich begonnen habe mich der Geschichte von Krems zu nähern, da war es mit dem Besitzanspruch kein Problem, denn diese Geschichte die wollte wirklich keiner, das war locker alles meines, also meine Geschichte, die Geschichte der Juden, der Inhaftierten, der Kriegsgefangenen, der Ermordeten, der Vertriebenen und… die wollte niemand.

Es gab natürlich ganz, ganz selten Phasen, wo dann plötzlich Besitzansprüche gestellt wurden. Da gab es einen Harry Kühnel, einen legendären Kulturamtsleiter in Krems, der hat mich, nachdem ich schon mehr als 200 Interviews geführt hatte, viele Akten studiert habe, die viele gar nicht wussten, dass es sie gibt und hunderte Fotos gesammelt hatte, kontaktiert und wollte sich mit mir treffen. Er hat mir vorgeschlagen, ob ich ihm für eine Ausstellung mein Material nicht verkaufen wolle. Ich habe ihm damals erklärt, wir können die Ausstellung gerne beide gemeinsam machen, wenn unsere Namen gleich groß im Katalog und auf dem Plakat stehen würden. Über diese Anmaßung von mir hat er sich gewundert, fast kam es mir vor als würde es ihn bei diesem Gedanken schaudern. Da war für mich klar, meine Geschichte lass ich mir nicht einfach so stehlen.

In der Zwischenzeit ist aus dem mein langsam ein unser geworden, In der Zwischenzeit gibt es nicht wenige in der Stadt, denen die gesamte Geschichte wichtig ist und die einsehen, dass die Stadt auch Verantwortung für die Geschichte übernehmen muss. Es gibt eine Reihe Initiativen, die ich anregen konnte: Namensbenennungen, Zusatztafeln, es gibt einen HistorikerInnen-Beirat und es gibt ein großes Projekt unter dem Titel „Eine Stadt (er)trägt Geschichte“, ein Rundgang durch die Zeitgeschichte der Stadt. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass es nicht viele Städte gibt, wo so lückenlos die Zeitgeschichte sichtbar gemacht werden wird.

Die Geschichte und die Verbrechen der NS-Zeit zu leugnen, das geht heute nicht mehr, das schafft heute nicht mehr eine Partei, die sich aus Ehemaligen konstituiert hat. Aber es gibt noch immer Menschen die meinen, das hat es gegeben, aber müssen wir das auch herzeigen, das ist doch schädlich für die Wirtschaft und den Fremdenverkehr.

Dass es einen Wunsch nach Geschichte gibt, einen Wunsch jenen Ort zu besuchen, der für Familienangehörige gezwungenermaßen wichtig war, die nicht hier geboren wurden, die aber hier für einige mörderische Jahre leben mussten. Es gibt Amerikaner, Franzosen, Russen, Italiener, Belgier, Bosnier, Serben und es gibt Nachkommen von Bürgern dieser Stadt die heute in Israel oder sonst wo leben, die den Ort aufsuchen, wo ihre Großväter oder Großmütter gefangen waren, zur Zwangsarbeit verurteilt waren.
In vielen Familien wurde über die Geschichte nicht viel gesprochen und nicht selten passiert es, wenn keine Fragen mehr gestellt werden können, dann bleibt oft nur mehr eine Reise zu diesem Ort. Ich bin und bleibe ein grenzenloser Optimist und ich träume noch immer, denn im Jahr 2025 ist wieder so ein Jahr, wo Krems eine Einladung aussprechen könnte an die Nachkommen all jener, die hier gezwungen waren zu leben.

Ich habe leider ein langes Gedächtnis und ich weiß noch wie das war, als ich zum ersten Mal nach Israel fuhr, um alle Jüdinnen und Juden zu besuchen, ich dachte ich reise in einer offiziellen Mission, während fast alle Parteien mir Grußadressen mitgaben konnte sich der Bürgermeister nicht durchringen. Es wäre ein unanständiges Angebot gewesen zu fragen, ob wir nicht die Überlebenden einladen könnten, damals 1988. Einer durfte dann kommen die Verhandlungen wie viele Übernachtungen die Stadt zahlt – eine oder zwei – diese Feilscherei kann ich nicht vergessen. Zum Glück hat Abraham Nemschitz davon nichts mitbekommen.

Keine Angst wir werden nicht hundert Flugtickets für Amerika, Frankreich, Zugtickets aus Polen, Russland Bosnien anfordern, aber eine Einladung auszusprechen mit einem besonderen Angebot, einer kostenlosen Stadtführung, einem Empfang beim Bürgermeister, rund um den 8. Mai. Ich denke das könnte tatsächlich passieren und wir könnten unsere Stadt präsentieren, so wie sie ist, so schön, so freundlich und mit einem langen Gedächtnis, das sich nicht nur an den Fassaden, sondern auch in unserem Handeln und in unserem Blick auf die Vergangenheit wiederfindet und wo nichts vergessen wird, das Gute ebenso wenig wie das Böse.

Ich habe jetzt lange gesprochen und ich brauche eine kurze Erfrischung. Nein ich trinke jetzt keinen Wein, denn das Thema hatten wir schon, denn wir wissen alle, dass die berühmteste Weinriede in jüdischem Besitz war, und die Gründung des heute größte Weinbaubetrieb Österreichs, die Winzergenossenschaft Krems mit einer „Arisierung“ begann. Diese Geschichte ist nach Anlaufschwierigkeit gut dokumentiert und ich freue mich gemeinsam mit meinem Co-Autor, dass die Winzer Krems zu ihrer Geschichte stehen. Also erfrische ich mich jetzt nicht einem Schluck Wein sondern…

Beginnt jetzt das große Zittern, wer ist jetzt dran? Was wird jetzt enthüllt. Ich könnte es nicht besser erfinden, aber immer, wenn wir genauer hinsehen, dann finden wir eine vergessene, verdrängte Geschichte, hinter den Marmeladengläsern. Wir sind in der Wachau und Marillen gehören einfach zu unserer Identität und wenn ich sie jetzt frage wer den Marillen Likör erfunden hat, so werden sie den Namen nicht wissen, aber sie werden ahnen, dass, wenn ich so frage es nur eine „jüdische Erfindung“ sein kann.

Oskar Wasservogel hat geglaubt wenn er seinen Namen ändert, dann würde man vielleicht nicht an seine Herkunft denken. Doch auch Oskar Wolters Betrieb wurde „arisiert“ er hat sich mit Marillen Likör in den 30er Jahren schon einen Namen gemacht und bei der Herbstmesse hat ein anderer Kremser Bundespräsident Miklas sich ein Gläschen von einer Wachauerin einschenken lassen und verkostet.

Oskar Wolter hat die Verfolgung mit Glück überlebt, seine Geschichte ist vergessen, aber nicht mehr lange.
Sie sehen ein Ende ist nicht abzusehen, vieles wird noch zum Vorschein kommen, noch immer. So bleibt mir Danke zu sagen, mich zu bedanken bei meiner Familie, die in Krems lebt und für die es nach manchen Aktionen und Büchern von mir nicht immer ganz leicht war, danke an meine Frau und meine Tochter, die mit mir und meinen Geschichten leben und nicht zuletzt danke an jenen in Krems, die nicht der Meinung sind, dass Vergessen das Tor zur Zukunft ist.

Als kleines Dankeschön für diesen Abend habe ich ein Geschenk mitgebracht für jeden von Ihnen, sie finden auf ihrem Platz ein Postkarte. Griechinnen in Krems. Geschichte zum Nachhören in 10 Teilen. Ein Podcast mit der Geschichte von zwei Griechinnen, die in Krems im Gefängnis auf die Befreiung gewartet haben.

[Prof. Dr. Robert Streibel]

Ein “großer Sohn der Stadt“:

Dass Krems eine Hochburg der Nazi war, hat sich mittlerweile herumgesprochen und nicht zuletzt durch die Arbeit des Kremser Historikers Robert Streibel und einer zwar viele Jahre zögerlichen Gemeinde ging in der Aufarbeitung der Nazi-Historie der Stadt einiges weiter.

Es bleibt aber noch genug zu tun:

Zum Beispiel verfügt die Stadt in ihrer Geschichte u. a. über ein kurioses Detail: Max Thorwesten, der 1994 in der Wachauer Metropole starb, war ein augenfälliges Abbild der Kremser Vergangenheit. Als promovierter Jurist seit 1932 im Dienst der damals noch eigenständigen Stadt Stein, wurde er nach Zusammenlegung der Gemeinde mit Krems, die er massiv gefördert hatte, zwischen 1938 und 1943 Hauptamtlicher Bürgermeister, dann von 1959 bis 1968 Magistratsdirektor, von 1967 bis 1969 Vizebürgermeister und schließlich von 1969 bis 1976 Bürgermeister von Krems. Was für eine Kontinuität!

Heute noch heißt das Senecura Sozialzentrum Krems „Haus Dr. Thorwesten“. Ohne weitere Erklärung oder Kontextualisierung.

Ein großer Sohn der Stadt?

[Günther Stockinger]

Der Autor und Historiker Robert Streibel:

Robert Streibel (Autor)Robert Streibel, geboren am 27.1.1959 in Krems a.d. Donau, ist österreichischer Historiker, Autor und Lyriker.

Er studierte in Wien Geschichte, Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und promovierte bei Erika Weinzierl am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Beruflich ist er seit 1987 im Erwachsenen- und Weiterbildungsbereich beim „Verband Wiener Volksbildung“ für Öffentlichkeitsarbeit tätig. Seit 1999 ist er auch Direktor einer Volkshochschule in Wien Hietzing.

Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen von ihm aus historischen Forschungsprojekten zum Nationalsozialismus, zum Judentum und Exil, mit den Schwerpunkten Niederösterreich und seiner Geburtsstadt Krems an der Donau. Außerdem publizierte er in Literaturzeitschriften, einen Gedichtband und Filme. Er ist freier Mitarbeiter der Wochenzeitung Die Furche (Literaturkritik) und der Tageszeitung Die Presse.

Website von Robert Streibel

Über Robert Streibel bei Wikipedia


Neuere Projekte und Publikationen von Prof. Dr. Robert Streibel:

Eröffnung eines Gedenkraums an das NS-Gefangenenlager STALAG XVII B in Gneixendorf:

Die wenigsten wissen, dass sich auf dem Gelände des heutigen Flughafens von Gneixendorf bei Krems eines der größten Kriegsgefangenenlager des „Dritten Reiches“ befand. Sämtliche oberirdischen Spuren des Lagers mit der Bezeichnung „STALAG XVII B“ wurden sorgfältig entfernt. Zeitweise wurden dort bis zu 66.000 Kriegsgefangene unterschiedlichster Nationen interniert. Etwa 2000 Gefangene kamen in dem Lager aufgrund von Seuchen und Mangelernährung ums Leben. 2021 haben der Historiker Dr. Robert Streibel und Mag. Günther Stockinger einen Gedenkraum eingerichtet und wollen weitere Initiativen zur Unterschutzstellung der archäologischen Überreste des Lagers setzen.

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Reformpädagogin statt Nazi-Dichterin! Die Umbenennung der Maria-Grengg-Gasse in Krems an der Donau

Immer noch finden wir Straßenschilder mit den Namen von Literaten, die zutiefst von nationalsozialistischem Gedankengut durchdrungen waren. Auf Initiative von Dr. Robert Streibel hat die Stadt Krems an der Donau die Initiative ergriffen. Auf Empfehlung eines Historikerbeirates wurde am 27. April 2021 eine Gasse, die den Namen der Heimatdichterin und Hitler-Verehrerin Maria Grengg trug, umbenannt. Die neue Namensgeberin ist die Reformpädagogin Margarete Schörl, die ihren Lebensmittelpunkt in Krems hatte. Unter dem neuen Straßenschild „Margarete-Schörl-Gasse“ wurde außerdem eine Zusatztafel montiert…

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Der Wein des Vergessens:

Robert Streibel und Bernhard Herrmann: Der Wein des VergessensAutoren: Robert Streibel und Bernhard Herrman
Format: Taschenbuch, E-Book
Seitenzahl: 256 Seiten
Verlag: Residenz
Auflage: 1 (August 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3701716968

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Klappentext:

Ein dokumentarischer Roman, wie man ihn sich brisanter und spektakulärer nicht ausdenken könnte. 1938 befindet sich die Riede Sandgrube, eines der berühmtesten Weingüter der Wachau, im Besitz des jüdischen Geschäftsmanns Paul Robitschek, sein Partner ist August Rieger. Robitschek und der angebliche Baron sind Geschäftsfreunde und zugleich ein glamouröses Liebespaar.
Die Denunziationen erleichtern die Arisierung jenes Besitzes, der zur Grundlage der berühmten Winzergenossenschaft Krems wird – ein Begriff für Wein & Kultur weit über die nationalen Grenzen hinaus. Diese Arisierung ist bis heute noch nie Thema der Forschung gewesen.
Die Autoren konnten einen Schatz an Dokumenten sicherstellen, mit dem sie eine unglaubliche Geschichte von Verrat und Treue, Liebe und Geschäft, Vernichtung und Verdrängung erzählen.

Widerstand in Griechenland und Stein – Die Geschichte von Nikos Mavrakis:

Robert Streibel: Widerstand in Griechenland und Stein - Die Geschichte von Nikos MavrakisAutor: Antonis Sanoudakis
Herausgeber: Robert Streibel
Format: Hardcover
Seitenanzahl: 192 Seiten
Verlag: Verlag der Provinz
Auflage: 1 (2020)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-99028-867-2

Ausführliche Informationen >>>

Klappentext:

Sein Gerechtigkeitssinn hat ihn ins Gefängnis gebracht – zuerst in Griechenland und dann in Stein an der Donau. Nikos Mavrakis’ Leben ist geprägt vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die deutsche Besatzung in Griechenland, vom Willen zu überleben und von einer Liebe, für die selbst Kerkermauern kein Hindernis dargestellt haben. Seine Frau Sofia, die ebenfalls zu zehn Jahren Haft verurteilt und 1944 nach Krems transportiert wird, gelingt es trotz Haft ihrem Mann im nahen Gefängnis Stein aufzuspüren und ihn mit Lebensmitteln zu unterstützen. Nikos Mavrakis überlebt das Massaker am 6. April 1945 in Stein und wird – zurückgekehrt nach Griechenland – als Linker abermals eingesperrt und auf die Gefängnisinsel Makronisos verbannt.
Antonis Sanoudakis hat diese Geschichte 1984 aufgezeichnet. Robert Streibel hat dieses einmalige Dokument eines Unbeugsamen von Nina Bungarten übersetzen lassen und fasst den Stand der Forschung zu den Griechen in Stein zusammen.

Bora:

"Bora" von Louis MahrerAutor: Louis Mahrer (+1977)
Kommentator: Robert Streibel
Format: Hardcover
Seitenanzahl: 216 Seiten
Verlag: Bibliothek der Provinz
Auflage: 1 (März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3990285565
Altersempfehlung: Ab 14 Jahre

Ausführliche Informationen >>>

Klappentext:

Die Erzählung „Bora“ von Louis Mahrer schildert den Widerstand von zwei Wehrmachtssoldaten in Serbien 1943/1944.
Diese Erzählung ist ein Novum in der österreichischen Nachkriegsliteratur, da hier zum ersten Mal der Widerstand von Österreichern gegen das NS Regime in den Reihen der Wehrmacht am Balkan und die Brutalität des Krieges gegen die Partisanen und die Bevölkerung dargestellt wird.

Das Vermächtnis der Eugenie: Gesammelte Feuilletons von Eugenie Schwarzwald 1908-1938

Robert Streibel: "Das Vermächtnis der Eugenie - Gesammelte Feuilletons von Eugenie Schwarzwald 1908-1938"Autor: Robert Streibel
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 300 Seiten
Verlag: Löcker Verlag
Auflage: 1 (November 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3854098782

Ausführliche Informationen >>>

Klappentext:

Dieser Band versammelt erstmals alle Feuilletons der ­großen Pädgogin Eugenie Schwarzwald (1872-1940).
Eugenie Schwarzwald hat eine Pädagogik der Praxis ­gepflegt, sie hat im Wien um 1900 Schulen gegründet und war einer der ersten, die Mädchen die Voraussetzungen für ein Studium an der Universität ermöglichten. In einer Zeit, als in der Schule militärischer Drill und der Rohrstock ­regierten, hat Sie ihre Schülerinnen und Schüler als Menschen gesehen.
Sie hat Geld gesammelt, um Kinder während des Ersten Weltkrieges und danach aufs Land schicken zu können, sie hat Sommerheime gegründet, das Hotel „Seeblick“ am Grundlsee als Erholungsheim für geistige Arbeiter betrieben, internationale Netzwerke gepflegt, Künstler und Künstlerinnen gefördert und unzählige Initiativen von Antialkoholikern bis zu Tierfreunden begründet.
Ihr Vermächtnis sind ihre Feuilletons, die sie zwischen 1908 und 1938 geschrieben hat. Mehr als 300 hat sie verfasst.
Sie schrieb für die „Neue Freie Presse“, das „Neue Wiener Tagblatt“, die „Bühne“ und die „Vossische Zeitung“.
Diese Feuilletons sind ein Credo auf die Menschenliebe. Die kurzen Texte sind Miniaturen aus Wien, literarische Denkmäler für ihre Freunde und Bekannten und Berichte von ihren Reisen durch Europa.
Die Bedeutung, die „Fraudoktor“ – wie sie liebevoll genannt wurde – in Wien bis zum Aufkommen der Nationalsozialisten gespielt hat, ist auch daran zu ermessen, dass sie auch als Vorlage für literarischen Figuren diente. Von Robert Musils „Diotima“ im „Mann ohne Eigenschaften“, bis hin zu Frau Doktor Mania in Josef Weinhebers „Gold außer Kurs“ u. a. m. reichen die Beispiele, die hier nachzulesen sind.

Weitere Themenliteratur und Romane von Robert Streibel:

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