Wann ist Unterricht erfolgreich? – Eine Studie über effektives Lehrverhalten in der Primarstufe

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Vorangehende Untersuchungen des Forscherteams an Wiener Grundschulklassen vor dem Jahr 2016 hatten bereits deutlich gezeigt, dass die Bedingungen zur optimalen Kompetenzentfaltung vor allem in der Verantwortlichkeit der Lehrer*innen liegen. Demnach ist in erster Linie die Qualität des Unterrichts, und weniger das Vorwissen, der Sozialstatus des Eltenhauses oder die Primärsprache, ausschlaggebend für hohe Lernzuwächse. Die Ergebnisse wurden bereits 2016 unter dem Titel „Unter welchen Bedingungen lernen Kinder am besten?“ veröffentlicht.

Die nun vorliegende Studie zielte darauf ab, Hinweise auf einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Gestaltung des Unterrichts und den Leistungen der Schüler*innen zu gewinnen. Die Ermittlung von förderlichen Komponenten für gute Lernleistungen standen daher im Mittelpunkt der Forschungsarbeit.

Eine zentrale Aufgabe des Forschungsvorhabens war die Ermittlung von Einstellungen und Grundhaltungen von Lehrpersonen, welche ausschlaggebend für besonders erfolgreichen Unterricht sind. Die entsprechenden Daten wurden durch teilnehmende Unterrichtsbeobachtungen in den Klassen ermittelt.

Die Studie wurde unter Leitung von Mag. Dr. Wolfgang Gröpel von der Bildungsdirektion für Wien und der Pädagogische Hochschule Wien durchgeführt.

Wann ist Unterricht erfolgreich? – Eine Studie über effektives Lehrverhalten in der PrimarstufeHerausgeber: Wolfgang Gröpel
Autor*innen: Claudia Otratowitz, Claus Großkopf, Gabriela Weihs-Dengg, Gudrun Schützelhofer, Karin Meller, Martin Urbanek, Wolfgang Gröpel
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 116 Seiten
Verlag: Karina Verlag
Auflage: 1 (August 2020)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3966980920

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Klappentext:

Auf die Lehrer*innen kommt es an!
Aber was bedeutet das konkret in der Unterrichtspraxis?

Das vorliegende Buch begibt sich vertiefend auf die Suche nach maßgeblichen Zusammenhängen zwischen der Gestaltung des Unterrichts und den Leistungen der Schüler*innen. Welche Haltungen und Einstellungen vertreten erfolgreiche Lehrende? Sind die individuellen Überzeugungen im Unterrichtsgeschehen erkennbar? Welches Verhalten von Lehrer*innen und Schüler*innen ist in Klassen mit hohen Lernzuwächsen beobachtbar? Durch die Beforschung von Mehrstufenklassen und Jahrgangsklassen an Wiener Volksschulen konnten zu diesen und weiteren Fragen wesentliche Erkenntnisse gewonnen werden.

Leseprobe aus „Wann ist Unterricht erfolgreich?“:

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Wann ist Unterricht erfolgreich? – Eine Studie über effektives Lehrverhalten in der Primarstufe (Leseprobe)

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1 VON UNGEKLÄRTEN FRAGEN ZU NEUEN ANSÄTZEN

1.1 Forschungsanliegen und Herangehensweise

Die vorliegende Studie ist eine Nachfolgeuntersuchung einer Längsschnittuntersuchung, die von 2009 – 2016 durchgeführt wurde und deren Ergebnisse in der Publikation „Unter welchen Bedingungen lernen Kinder am besten?“ veröffentlicht wurde. Hierbei wurden 647 Kinder auf der 2. und 4. Schulstufe in Mehrstufenklassen und in Jahrgangsklassen in den Bereichen Rechtschreibung, Verfassen von Texten, Lesen und Mathematik getestet. Zudem wurde eine Unterrichtsbeobachtung durchgeführt.

Die Längsschnittuntersuchung erbrachte viele aufschlussreiche Ergebnisse. Einige Beispiele hierfür:

  • Während in Jahrgangsklassen ein Vorsprung in der Rechtschreibung in der zweiten Klasse besteht, sind die Schüler*innen von Mehrstufenklassen durchschnittlich besser in Mathematik und beim Verfassen von Texten.
  • Der hochsignifikante Vorsprung in Jahrgangsklassen bei der Rechtschreibung ist bei der zweiten Erhebung nicht mehr feststellbar. Am Ende der 4. Schulstufe ist in keiner Kategorie ein signifikanter Unterschied feststellbar, allerdings ist die Streuung der Rechtschreibleistungen in Mehrstufenklassen größer.
  • Eine zentrale Aussage ist, dass die gemessenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in Mehrstufenklassen und Jahrgangsklassen teilweise zu unterschiedlichen Zeit¬punkten von den Schülern*innen erworben werden. Am Ende der 4. Schulstufe sind jedoch keine signifikanten Unterschiede messbar.
  • Als relevante Merkmale für eine positive Lernentwicklung waren das Geschlecht, der bildungsrelevante Sozialstatus und bestimmte Faktoren der Unterrichtsgestaltung feststellbar.
  • In den meisten Dimensionen der untersuchten sozio-emotionalen Kompetenzen können signifikante Zuwächse zwischen 2. und 4. Schulstufe nachgewiesen werden. Auf der 2. Schulstufe ist eine höhere Selbsteinschätzung in allen Klassentypen der Schüler*innen vorhanden. Auf der 4. Schulstufe werden im Wesentlichen gleiche Ausprägungen in allen Klassen festgestellt.
  • Die Leistungen in Mathematik zeigen einen signifikanten Zuwachs bei einer ebenso deutlichen Verringerung der Varianz. Am Ende der 4. Schulstufe ist die Mathematikleistung bei Kindern mit Deutsch als Erstsprache, bei höherem Bildungsgrad der Eltern und bei einem von Unterrichtskomponente 1 geprägten Unterricht (Störungskontrolle, klare Anweisungen, Strukturierung des Unterrichts, effektive Lernzeit, Klassenraumgestaltung, zusätzliches Lernmaterial) besser.
  • Der hochsignifikante Vorsprung in Jahrgangsklassen bei der Rechtschreibung ist bei der zweiten Erhebung nicht mehr feststellbar. Am Ende der 4. Schulstufe ist in keiner Kategorie ein signifikanter Unterschied feststellbar, allerdings ist die Streuung der Rechtschreibleistungen in Mehrstufenklassen größer. Die Recht-schreibleistungen von Mädchen sind signifikant besser. Kinder mit guten Recht¬schreibleistungen schneiden auch in allen anderen untersuchten Leistungs-bereichen gut ab und haben meist Eltern mit einem höheren Bildungsgrad.

Die angeführten Beispiele zeigen einige der Hauptergebnisse der Längsschnittstudie „Unter welchen Bedingungen lernen Kinder am besten?“ Es zeigte sich jedoch, dass einige der Ergebnisse nicht bzw. kaum erklärbar waren. 2017 wurde beschlossen, diesen unerklärlichen Phänomenen wissenschaftlich auf die Spur zu gehen. Das gegenständliche Forschungsvorhaben wurde kleiner und kürzer angesetzt (Quer-schnittuntersuchung auf der 4. Schulstufe).
Für die Untersuchung wurden 19 Jahrgangsklassen und 19 Mehrstufenklassen gewählt, es nahmen 482 Schüler*innen der 4. Klasse Volksschule teil – 390 Kinder aus Jahrgangsklassen und 92 Kinder aus Mehrstufenklassen. Dabei wurde darauf geachtet, dass der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund in Mehrstufen- und Jahrgangsklassen gleich verteilt ist. Auch der Anteil an ganztägig betreuten Kindern wurde in beiden Populationen berücksichtigt. Folgende Instrumentarien und Analysen wurden auf der 4. Schulstufe angewendet. Getestet wurde im März 2018:

  • Salzburger Lesescreening
  • Mathematiküberprüfung 58 Beispiele, davon 21 eher für Sekundarstufe 1
  • Vergleich mit den BIST – M4 – Ergebnissen
  • Zusammenhang Leistungstest – schulische Nachmittagsbetreuung
  • Zusammenhang Leistungstest – Unterrichtsbeobachtung …

Publikation über die Ergebnisse von Teil 1 der Langzeitstudie:

Unter welchen Bedingungen lernen Kinder am besten? Eine Langzeitstudie in Jahrgangs- und Mehrstufenklassen

Unter welchen Bedingungen lernen Kinder am besten? Eine Langzeitstudie in Jahrgangs- und MehrstufenklassenHerausgeber: Wolfgang Gröpel
Autor*innen: Weihs-Dengg Gabriela, Gröpel Wolfgang, Grubich-Müller Regina, Grubich Rainer, Kobilza Wolfgang, Otratowitz Claudia, Schützelhofer Gudrun, Urbanek Martin
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 280 Seiten
Verlag: Karina Verlag
Auflage: 1 (Oktober 2016)
ISBN: 978-3903056923

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Ausführliche Leseprobe>>>

Klappentext:

Lernen Kinder in Mehrstufenklassen mehr als in herkömmlichen Jahrgangsklassen?
Wie können Sozio-emotionale Kompetenzen bei Volksschüler/innen untersucht werden?
Wie können Schüler/innen der Sonderpädagogik einbezogen werden?

Diesen Fragen wird in einer über drei Jahre dauernden Längsschnittstudie nachgegangen.Die vorliegende Publikation gibt Antwort darauf.
Die Lernentwicklungen von Volksschüler/innen werden in mehreren Bereichen mit inklusivpädagogischer Sichtweise untersucht und der Unterricht in mehr als 70 Schulklassen beobachtet.
Dabei wird das Ziel verfolgt, Zusammenhänge zwischen Schülerleistung, Unterrichtsgestaltung und Unterrichtsorganisation zu analysieren und Ansatzpunkte für weiteres pädagogisches und bildungspolitisches Handeln zu finden.


Sponsoren der Langzeitstudie:

Pädagogische Hochschule Wien, Arbeiterkammer Wien, Bildungsdirektion für Wien.

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