Herr Groll im Schatten der Karawanken

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Erwin Riess: "Herr Groll im Schatten der Karawanken"Autor: Erwin Riess
Format: Hardcover, Taschenbuch, E-Book
Seitenzahl: 240 Seiten
Verlag: Haymon Verlag
Auflage: 1 (2012) / 2 (2017)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3709978689 (Taschenbuch 2017)
ISBN: 978-3701311927 (Hardcover 2012)

Altersempfehlung: Ab 14 Jahre, Erwachsene

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Website von Erwin Riess

Klappentext:

Herr Groll und sein Assistent, der Dozent, sind unterwegs nach Kärnten. Der Dozent will eine familiäre Angelegenheit klären, deren Wurzeln bis ins Dritte Reich zurückreichen, Groll möchte zur Hochzeit eines Freundes.

Immer tiefer geraten die beiden während ihrer Recherchen über die Familienangelegenheit in die Verwicklungen des Kärntner Nationalsozialismus, und mehr und mehr beginnt der Dozent, die Geschichte seiner Familie mit anderen Augen zu sehen …

Die Lage spitzt sich rasch zu, als Grolls Freund, der Bräutigam, nach dem Polterabend unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt. Am Tatort findet sich eine Liste mit brisanten Finanztransaktionen rund um Kärntens Oberschicht.

Als kurz darauf auch der Bruder des Ermordeten tot aufgefunden wird, weiß Groll, dass auch der Dozent und er in großer Gefahr schweben. Es heißt nun, dem Zugriff einer tödlichen Mafia zu entkommen…

Erwin Riess verwebt Vergangenheit und Gegenwart Kärntens zu einem spannenden Kriminalroman, der die historische Vergangenheit dieser Region aufgreift und das Fortdauern alter Verhältnisse treffend beschreibt.

„Herr Groll im Schatten der Karawanken“ zeigt die Geschehnisse eines in seiner Geschichte festgefrorenen Landes.

Über den Autor Erwin Riess:

Erwin Riess (Autor)Erwin Riess (* 13. März 1957 in Wien) ist ein österreichischer Politikwissenschaftler; seit 1983 Rollstuhlfahrer, ist ein Behindertenaktivist und seit 1994 freier Schriftsteller.

Er verfasst Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher und Prosa.

Nach der Schulzeit in Krems, Niederösterreich, studierte Riess an der Universität Wien Politik- und Theaterwissenschaft, wurde 1984 am Institut für Staatswissenschaft mit der Dissertation Ökonomische und staatliche Strukturen des österreichischen Kapitalismus im Aufriß zum Dr. phil. promoviert und arbeitete zunächst als Verlagslektor.

Nach einem Rückenmarkstumor selbst Rollstuhlbenutzer, engagiert er sich für die Anliegen behinderter Menschen in der Gesellschaft. Von 1984 bis 1994 war er wissenschaftlicher Referent für behindertengerechtes Bauen im österreichischen Wirtschaftsministerium. Er engagiert sich bei EUCREA, dem europäischen Netzwerk für Kreativität von und für Personen mit Behinderung.

1998, 2000 und 2002 hatte er an der Universität Klagenfurt Gastprofessuren für Integrationspädagogik inne.

Seit 1994 lebt er als freier Schriftsteller. Bekannt wurde er als Theaterautor und Verfasser von absurden Kriminalromanen. 1998 war er Writer in Residence an der New York University. Er schreibt u.a. regelmäßig für die linken Zeitschriften Volksstimme und konkret[2] über die politischen Verhältnisse in Österreich, wobei er insbesondere gesellschaftliche Kontinuitäten zum Nationalsozialismus kritisiert.

Erwin Riess lebt seit 2007 in Wien und Kärnten.

Stipendien und Auszeichnungen:

  • 1992: Hans-Weigel-Literaturstipendium
  • 1997: Wiener Autorenstipendium
  • 2002: Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Literatur

Erwin Riess‘ Stil zeichnet sich durch hintersinnigen Witz und eine omnipräsente, bis zum Sarkasmus gesteigerte Abrechnung mit der Ignoranz der Gesellschaft aus, der das Wort Barrierefreiheit unbekannt geblieben scheint.

Seine Figur des Floridsdorfer Rollstuhlfahrers und Schiffsfanatikers Groll (in Erzählungen und mittlerweile vier Romanen) kämpft in absurden Situationen gegen diese bei Architekten und Politikern gleichermaßen verbreitete Blindheit an.

Es ist jedoch nicht der Behinderung der Hauptperson geschuldet, dass die seltsamen Aufträge, die Groll vom in New York domizilierten Italiener Giordano erhält, jeweils desaströs enden: vielmehr lässt sich an den Geschichten beobachten, wie ein einzelner mit Humor und vor allem unerschöpflicher Ausdauer gegen das unfaire Wüten des Schicksals angeht und sich im Hindernislauf des Alltags behauptet.

Quelle: Website von Erwin Riss

Auszüge aus dem Buch „Herr Groll im Schatten der Karawanken“:

MELDUNGEN:

Erwin Riess: "Herr Groll im Schatten der Karawanken"Während der Fußball-Europameisterschaft 2008 kommt es in einem Flüchdingsheim in Klagenfurt zu einem Brand, ein Mensch stirbt. Schuld seien die Flüchtlinge, heißt es von seiten der Polizei. Ein Sachverständigen-Gutachten ergibt, daß das Feuer gelegt wurde. Dennoch werden die Ermittlungen eingestellt.

Im Juni 2009 wird nahe des Paulitschsattels in Unterkärnten ein aus Slowenien über die Karawanken gewechselter Bär, einem strengen Schutzgebot zum Trotz, von einem Jäger geschossen, fachgerecht zerteilt und ausgeweidet. In der örtlichen Jägerschaft ist der Name des Jagdfrevlers kein Geheimnis. Das Landesgericht Klagenfurt spricht den Angeklagten frei.

Erwin Riess: "Herr Groll im Schatten der Karawanken"Seit 1955 besteht auf der slowenischen Seite des Loibl-Tunnels ein Mahnmal für die Opfer des Konzentrationslagers Loibl Süd. Auf der Kärntner Seite wurde erst Mitte der neunziger Jahre eine kleine Gedenkstätte für das Lager Loibl Nord errichtet.

2009 wird eine Kundgebung an der österreichischen Gedenkstätte abgehalten, bei der die Bundespräsidenten Sloweniens und Österreichs, höchste Würdenträger sowie Vertreter der Opferverbände anwesend sind. Eine Einladung des Bundespräsidenten in den Wind schlagend, fehlen der Kärntner Landeshauptmann Dörfler und sein Stellvertreter Scheuch.

Darauf angesprochen, sagt der Landeshauptmann, er sehe nicht ein, warum „man jedes Mal Kränze niederlegen soll.“ Sein Stellvertreter gibt an, er habe der Freisetzung eines Bartgeierpärchens beigewohnt. „In dem Moment war das für mich wichtiger“. (Kleine Zeitung, 12.6.2009).

Erwin Riess: "Herr Groll im Schatten der Karawanken"Herbst 2011. Nach der Aufstellung einiger zweisprachiger Ortstafeln wurden und werden immer wieder Tafeln mit SS-Zeichen übersprüht. In den Wirtshäusern rühmen sich junge Männer dieser Heldentaten. Die Behörde sieht keinen Grund für Ermittlungen.

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l. KAPITEL

Keine Panne in Edelschrott, aber zuwenig Sauerstoff auf dem Packsaltel.
Die Bedeutung des Glimmerschiefers für den Protestantismus, der wahre Grund für Franz Schuberts Tod und eine Kriegslist in Twimberg.
Schließlich ein Kärnten-Leitfaden für Überflieger, die sich im Fall eines Absturzes richtig zu verhalten wissen wollen.

Kurz vor Edelschrotl überhitzte der Motor. Ich parkte den Wagen hinter der Ortstafel in einer gut einsehbaren Kurve. Der Dozent machte sich erbötig, das Pannendreieck aufzustellen und fragte nach der signalgelben Rettungsweste.

Erwin Riess: "Herr Groll im Schatten der Karawanken"Mein Renault sei zwar dreiunddreißigjahre alt, befinde sich aber in einem tadellosen Allgemeinzustand, erwiderte ich. Ein überhitzter Motor erfülle mitnichten den Tatbestand einer Panne, sondern sei Zeichen eines funktionierenden thermischen Systems, Generationen von Bergfahrern könnten dies bestätigen.

Aus diesem Grund seien weder eine Weste noch ein Rettungssack vonnöten, es brauche nur ein wenig Zeit und Kühlwasser, dann stehe der Fortsetzung unserer Fahrt über den Packsattel und einem anschließenden kühnen Vorstoß ins Lavanttal nichts im Weg. Im Grunde genommen sei unser technischer Halt nichts anderes als die Ruhe vor dem entscheidenden Sprung ins Land der tausend Seen.

Der Dozent lachte kurz und böse und meinte, daß der Name der Ortschaft wohl in einer direkten Beziehung zu meinem betagten Fahrzeug stehe. Ich blieb gelassen und erinnerte ihn daran, daß er es war, der mich als Fahrer und meinen R 5 Automatic als Fahrzeug ausgesucht habe und dafür auch ordentlich zahle. Falls er den Jaguar seiner Mama vermisse, mit dem er als Bub immer zum Flötenstudium ins Erzbischöfliche Ordinariat chauffiert worden sei, tue er mir leid.

Wie immer, wenn ich ihn ärgern wollte, betonte ich das zweite a: Mama. So verzopft reden sonst nur Adelige, die ihren Stammbaum auf die Zeit vor der Schlacht am Weißen Berg 1620 zurückführen können – oder Parvenüs.

Wieder habe er Flöte gelernt, noch habe er je das Erzbischöfliche Ordinariat betreten, sagte der Dozent erbost und fuhr mit erregter Stimme fort, er habe es satt, von mir seiner Schulzeit im Theresianum wegen lächerlich gemacht zu werden. Im übrigen sei er zwar von Herrn Kalman im Jaguar ins Theresianum gefahren worden, aber der Jaguar sei aus den späten sechziger Jahren und damit älter als mein sensibler Renault.

Wenn er seine unqualifizierten Attacken auf meinen braven Wagen, der für mich viel mehr als ein fahrbarer Untersatz sei, nicht zurücknehme, müsse ich ihn in der weststeirischen Wildnis aussetzen, sagte ich und war um einen sachlichen Tonfall bemüht. Im Falle seines Einlenkens aber würde ich meine Aussagen mit dem Ausdruck der nachgebenden Klugheit zurücknehmen.

Der Dozent beruhigte sich nur scheinbar …

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Buchempfehlung zu „Herr Groll im Schatten der Karawanken“:

Wer den brillanten Autor und Journalisten Erwin Riess kennt, der weiß bereits vor der Lektüre, dass sein Protagonist und Detektiv Herr Groll wieder einmal in einen Sumpf aus politischen Missständen hineingeraten wird. Die jüngere Geschichte des relativ kleinen Bundeslandes Kärntens hat diesbezüglich Einiges an Skurrilitäten zu bieten, die weit über die Grenzen Österreichs hinweg immer wieder für Aufsehen gesorgt haben.

Da gibt es zweisprachige Ortstafeln, die seit ihrer Aufstellung in den 70er Jahren immer wieder von deutschnational gesinnten Tätern beschädigt werden.

Bei den jährlichen Gedenkfeiern auf dem Ullrichsberg kam es unter Teilnahme höchster Landespolitiker immer wieder zu verbalen Entgleisungen von SS-Veteranen (Kameradschaft IV) sowie zum Auftritt von internationalen Neonazigruppen.

Dann war da auch noch der rechtspopulistische, deutschnational gesinnte und xeophobe Jörg Haider, der mit 42 Prozent der Stimmen zum Landeshauptmann gewählt wurde. Immer wieder ließ er aufhorchen lassen, wenn er die Schreckenherrschaft des NS-Regimes verharmloste und damit für Skandale sorgte.

2008 fand er den Tod, nachdem er unter starkem Alkoholeinfluss mit 142 km/h durch das Ortsgebiet von Lambichl raste, die Herrschaft über das Auto verlor und dabei mit einem Betonpfeiler kollidierte.

Unter Jörg Haiders Amtszeit war das Land Kärnten in den größten Bankenskandal der österreichischen Geschichte um die Hypo-Alpe-Adria-Bank verwickelt. An den Folgen wird vermutlich auch noch die nächste Generation von Kärntnern zu leiden haben.

Gegen den Nachfolger Haiders als Landeshauptmann, Gerhard Dörfler, ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bis heute.

Dieses Umfeld aus Skurrilem, Deutschtümelei, Korruption und Finanzskandalen bietet ausreichend Stoff für einen Krimi. Der spannend aufbereitete Stoff mag einige Kärntner schmerzen, zumal der professionelle Journalist Erwin Riss die Fakten für seine Romane akribisch recherchiert.

In diesem Sinne wirken auch die Dialoge zwischen Groll und seinem Freund sehr sachlich, auf gehässige Polemik wird verzichtet. Trotzdem gelingt es dem Autor, seine Leser/innen mit Paralellhandlungen und den Aufbau von Spannung zu fesseln.

„Herr Groll im Schatten der Karawanken“ beinhaltet so ziemlich alles, was einen anspruchsvollen Kriminalroman ausmacht. Ein literarisches Sittenbild der politischen Landschaft Kärntens, zumindest bis zum Jahr 2013, könnte man wohl kaum mitreißender gestalten.


Vorschau: „Herr Groll und die Stromschnellen des Tiber“

Erwin Riess: "Herr Groll und die Stromschnellen des Tiber"Autor: Erwin Riess
Format: Hardcover, E-Book
Seitenzahl: 300 Seiten
Verlag: Otto Müller Verlag Salzburg
Auflage: 1 (August 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3701312542

Altersempfehlung: Ab 14 Jahre, Erwachsene

 

 

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Klappentext:

„Unbeschreiblich und atemberaubend ist die Fülle von ökonomischen, historischen und kulturellen Fakten, von zeitgeschichtlichen und technischen Details, die Groll (…) zur Sprache bringt.“ (Kurt Neumann, Standard)

Herr Groll, der rollstuhlfahrende Detektiv aus der Wiener Vorstadt, ermittelt mit seinem Freund, dem „Dozenten“, in Rom. Markus, ein Zögling des Malteserordens, ist verschollen. Der Dozent hingegen will eine polnische Historikerin bei der Suche nach einer ominösen Koranausgabe aus der Frühzeit des Islam unterstützen.

In einem Weingut der Malteser findet Groll den väterlichen Freund des Novizen erdrosselt vor. Die Nachforschungen erweisen sich aufgrund der römischen Stadtgeografie und der antiken Straßenbeläge als schwierig …

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Erwin Riess – „Groll rollt wieder“ (Freak-Radio +UT)

Veröffentlicht am 17. 05. 2017; Dauer: 00:05:05

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